Der Bausparvertrag galt jahrzehntelang als DER Weg ins Eigenheim. Doch in Zeiten gestiegener Zinsen und niedriger Sparrenditen fragen sich immer mehr Menschen: Lohnt sich das noch? Die Antwort ist – wie so oft – nicht ganz einfach. Fakt ist: Der Bausparvertrag hat Vor- und Nachteile, die Sie kennen sollten, bevor Sie unterschreiben.
So funktioniert Bausparen
Das Grundprinzip ist einfach: Sie sparen über mehrere Jahre einen bestimmten Betrag an – die sogenannte Bausparsumme. Wenn Sie genug angespart haben (in der Regel 40–50 Prozent der Summe), steht Ihnen ein günstiges Darlehen zu. Die Zinsen dafür werden bereits beim Abschluss festgelegt.
Der Ablauf im Überblick:
- Sie vereinbaren eine Bausparsumme (z.B. 100.000 Euro)
- Sie zahlen regelmäßig ein – meist 3–5% der Summe pro Jahr
- Sobald Mindestguthaben und Mindestbewertungszahl erreicht sind, wird der Vertrag zuteilungsreif
- Sie erhalten wahlweise das Darlehen oder nur Ihr Erspartes
Wichtige Mindestbewertungszahlen im Vergleich (Stand 2025):
| Bausparkasse | Mindestbewertungszahl |
|---|---|
| Schwäbisch Hall | 44 |
| LBS | 170–204 |
| Wüstenrot | 200 |
| BHW | 33 |
| Deutsche Bank | 2.900 |
Staatliche Förderungen im Überblick
Der Staat fördert Bausparen mit drei Instrumenten:
| Förderung | Betrag | Einkommensgrenze (ledig) |
|---|---|---|
| Wohnungsbauprämie | bis 70 Euro/Jahr (10%) | 35.000 Euro |
| Arbeitnehmersparzulage | bis 43 Euro/Jahr (9%) | 40.000 Euro |
| Wohn-Riester | Zulagenbasiert | variabel |
Wichtig: Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage können kombiniert werden – bis zu 113 Euro jährlich für Singles.
Typisches Einsatzszenario:
Der Bausparvertrag ergänzt eine Haupfinanzierung. Experten empfehlen, damit 20–40 Prozent des Kaufpreises abzudecken – als Anschlussfinanzierung oder Puffer.
Die Nachteile im Detail
Finanzexperten sehen durchaus kritische Punkte:
- Niedrige Guthabenzinsen: Aktuell bieten Bausparkassen nur 0,1–1,0 Prozent. Zum Vergleich: Tagesgeld bringt 2–3 Prozent.
- Ungewisser Zuteilungszeitpunkt: Es gibt keine Garantie. Bei hoher Nachfrage kann sich die Zuteilung verzögern.
- Abschlussgebühren: 1–1,6 Prozent der Bausparsumme – bei 100.000 Euro sind das 1.000–1.600 Euro.
- Begrenzte Darlehenshöhe: Bauspardarlehen liegen meist zwischen 20.000 und 100.000 Euro – für eine komplette Finanzierung reicht das oft nicht.
- Wenig Flexibilität: Sondertilgungen oder Ratenänderungen sind oft eingeschränkt oder kostenpflichtig.
Rechenbeispiel (Bausparguru.de):
- Eigenleistung: 8.400 Euro (7 Jahre x 1.200 Euro)
- Wohnungsbauprämie: 490 Euro (7 x 70 Euro)
- Guthabenzinsen: ca. 150 Euro
- Abschlussgebühr: 480 Euro
- Effektivrendite: ca. 1,8% p.a.
Vergleich mit anderen Anlageformen
| Anlageform | Rendite (ca.) | Risiko |
|---|---|---|
| Bausparvertrag | 1–2% | sehr niedrig |
| Tagesgeld | 2–3% | sehr niedrig |
| Festgeld | 3–4% | sehr niedrig |
| ETF (Aktien) | 6–8% | mittel |
Fazit
Der Bausparvertrag ist kein Allheilmittel mehr. Die niedrigen Guthabenzinsen und die hohen Gebühren machen ihn als reine Geldanlage unattraktiv. Anders sieht es aus, wenn Sie die staatlichen Förderungen voll ausreizen und den Vertrag als Baustein einer Immobilienfinanzierung nutzen – insbesondere zur Zinssicherung für ein späteres Darlehen. Wer plant, in zehn Jahren ein Eigenheim zu erwerben, kann von aktuellen Festzinsen profitieren. Alle anderen sollten genau nachrechnen.